Konzept 

Hier finden Sie Informationen zum Mädchentreff Perle.

Das Konzept kann auch als pdf heruntergeladen werden.

 

Einleitung

Einleitung

Der Mädchentreff perle ist eine Einrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit dem Schwerpunkt der feministischen, parteilichen und interkulturellen Mädchenarbeit. Gegründet wurde die Einrichtung im Jahre 1988 und befindet sich aktuell in Trägerschaft des BDKJ Stadtverband Essen-Trägerwerk e.V. Angesiedelt im Stadtteil Essen Altendorf, einem Stadtteil der viele Jahre als besonders „erneuerungsbedürftig“ galt, wird die Einrichtung von Mädchen aus vielfältigen Bevölkerungsschichten, Communities und Familienkonstellationen besucht.

In der perle begegnen sich Mädchen, um miteinander ihre Freizeit zu verbringen und gemeinsam zu gestalten. Hier können sich Mädchen unterschiedlicher kultureller Hintergründe, verschiedener Altersgruppen sowie unterschiedlicher Schulformen miteinander austauschen und erfahren von Seiten der Pädagoginnen eine Begleitung in ihren Alltagsbelangen, Freuden und Sorgen. In der geschlechtsspezifischen Arbeit bereits mit Mädchen im Grundschulalter sowie jungen Frauen wird besonders Wert auf Bildungsarbeit gelegt, aber auch die ständige Konfrontation mit Diskriminierungserfahrungen schließt eine fortwährende Antirassismusarbeit mit ein. Über die vielen Jahre des Bestehens hinweg hat sich die PERLE als eine „Einrichtung des Vertrauens“ erwiesen und unterstützt oftmals über ihre pädagogischen Möglichkeiten hinaus die Mädchen und jungen Frauen in ganz individuellen Angelegenheiten.

 

Geschichte

Geschichte des Mädchentreffs PERLE

ie perle blickt auf eine nun langjährige Tradition im Stadtteil zurück. Als der Treff im Februar 1988 erstmals seine Türen auf der Altendorfer Straße für Mädchen und Frauen öffnete, war er der einzige seiner Art in Essen.

Mit unsicherer Perspektive im Hinblick auf die Personal- und Finanzsituation begann ein Kreis aus haupt- und ehrenamtlichen Frauen ihre Pionierarbeit auf dem Feld der geschlechtshomogenen Jugendarbeit. Schon bald zeigte sich der Erfolg in Form gut angenommener Angebote und überfüllter Räume. Bereits nach zwei Jahren musste die Einrichtung deshalb in größere Räume auf die Helenenstraße umsiedeln. Auch hier dauerte es nicht lange und die Angebote wurden besucht. Jedoch erst die Neuregelung der Öffnungszeiten, die sich auf eine Staffelung in verschiedene Altersgruppen bezieht, hat dem Treff eine noch größere Anzahl von Mädchen beschert. Es besteht meist eine konstante Stammgruppe von Mädchen, welche den Treff regelmäßig besuchen. Hinzu kommt immer wieder eine Gruppe von Mädchen, die den Treff eher sporadisch besuchen und nutzen. Es finden aber auch immer wieder neue Mädchen oder kleinere Gruppen ihren Weg in die Einrichtung. Mittlerweile sind auch die Räumlichkeiten auf der Helenenstraße zu Stoßzeiten nicht mehr ausreichend.

Heute ist die perle eine im Stadtteil Altendorf etablierte und integrierte Freizeiteinrichtung für offene Kinder- und Jugendarbeit, die auch über die Grenzen des Stadtteils hinaus im Essener Stadtgebiet bekannt ist.

Ortsspezifische Gegebenheiten

Ortsspezifische Gegebenheiten und Rahmenbedingungen des Stadtteils Altendorf

Leben in Altendorf, einem der dichtbesiedelten Stadtteile Essens (etwa 87 Einwohner*innen/ha im Vergleich zur Stadt Essen insgesamt 28 Einwohner*innen/ha), bedeutet Begegnung unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Lebensformen und Lebensbedingungen. Eine Statistik der Stadt Essen, über die Anzahl von Personen mit doppelter Staatsangehörigkeit und Nichtdeutscher zeigt, dass Altendorf nicht nur dichtbesiedelt ist, sondern auch zu den Stadtteilen gehört, die eine sehr hohe Prozentzahl genannter Bevölkerungsgruppen aufweisen.

Viele Jahrzehnte wurde der Stadtteil im Essener Westen vom Innenstadtbereich nur durch einen breiten Industriegürtel getrennt. Er bot karge Grünflächen, wenig Erholungsraum sowie Freizeitwert. Dies änderte sich zusehends, als Altendorf von 1998 bis 2014 Aufnahme in das Bund-Länderprogramm Soziale Stadt fand. Das Stadtteilprojekt Altendorf initiierte vielfältigste Initiativen und Projekte in diesem Zeitraum. Durch die Beteiligung vieler Akteure im Stadtteil, durch breite Vernetzung und durch Einbeziehung von Bewohner*innen des Stadtteils wurde vieles angestoßen und gefördert, dass sowohl zur Verschönerung und Erneuerung des Quartiers beitrug (Ehrenzeller Platz, Niederfeldsee + Wohnhäuser, Thyssen-Krupp-Park, Fahrrad-Trasse) als auch das Verstehen der Menschen untereinander zum Gegenstand hatte. Trotz Erneuerungen und geschaffenen Grünflächen, weist Altendorf weiterhin ein enormes Verkehrsaufkommen auf, welches sich vordergründig auf den beiden Hauptverkehrsstraßen der Helenenstraße und der Altendorfer Straße ergibt. Zusätzlich steht die Anzahl sozial schwacher und benachteiligter Familien, welche oftmals an der Grenze zur Armut leben dafür, dass die Bemühungen der Stadt Essen, Altendorf in den Fokus zu rücken, nicht enden sollten. Die Gesamtsituation des Stadtteils hat nicht zuletzt Auswirkungen auf die Erlebniswelt der hier zahlenmäßig stark vertretenden Kinder und Jugendlichen (Anzahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Altendorf 4.156). Besonders hoch ist hier der Anteil an Doppelstaatler*innen und der nichtdeutschen Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Altendorf (2.710). Speziell für die Situation von Mädchen und jungen Frauen bedeutet dies, dass diese zahlenmäßig recht stark vertretende Gruppe (1.883 insgesamt) im Stadtteil Altendorf die perle als einziges geschlechtsspezifisches Angebot vorfindet.

Die Situation im Stadtteil Altendorf bezüglich der Bevölkerungszusammensetzung gestaltet sich multiethnisch. Menschen differierender Staatsangehörigkeiten leben gemeinsam im Stadtteil und sorgen für Begegnungen unterschiedlicher Art. Die sechs häufigsten Staatsangehörigkeiten sind in folgender Tabelle zusammengefasst und stellen einen kleinen Überblick für die ethnische Zusammensetzung im Stadtteil dar.

 

Staatsangehörigkeit

EinwohnerInnen insgesamt

Deutschland

12.216

Türkei

1.885

Polen

1.049

Syrien

925

Irak

630

Rumänien

469

 

Die mit genannten Fakten einhergehende Fluktuation der Bevölkerung verstärkt die Isolationstendenzen im Stadtteil. Auch, wenn Altendorf heute ein weniger tristes Erscheinungsbild aufweist, bestehen kaum Angebote für Mädchen und junge Frauen, die ihren Interessen und Bedürfnissen nahekommen. Die ortsansässigen Kneipen, Shisha Bars und Spielhallen stellen dazu keine Alternative dar. Besonders Mädchen und junge Frauen nichtdeutscher Herkunft finden in Altendorf keine akzeptable Möglichkeit, sich außerhalb von Familie und Schule in ihrer Freizeit zu bewegen. Hierbei können sie zwar auf ortsnahe Schulhöfe, Moscheevereine, dem städtischen Kinder- und Jugendhaus Check Inn sowie Angebote des VKJ Café YES und VKJ Young am Ehrenzeller Markt zurückgreifen, finden aber dort keine geschlechtshomogenen Räume um ihre Freizeit zu gestalten und etwas Zeit außerhalb von männlichen Standards zu verbringen.

Die Situation der Besucherinnen

Die Situation der Besucherinnen

Der Besuch der perle besitzt für viele Mädchen eine immense Bedeutung. Oftmals können sie nur so für wenige Stunden in der Woche die Möglichkeit ergreifen, ihre knapp bemessene freie Zeit eigenbestimmt zu verbringen, und somit den ihnen auferlegten elterlichen Verpflichtungen und ihrem Alltag zu entfliehen. Das hohe Maß an Verantwortlichkeit, welches gerade die älteren Mädchen innerhalb der Familie, z.B. bei der Betreuung jüngerer Geschwister oder bei der Mithilfe im Haushalt, übernehmen müssen, lässt ihnen selten Zeit und Raum zur Entfaltung eigener Spiel- und Freizeitinteressen. Für viele Familien gilt jedoch die perle als ein willkommenes Angebot, in dem die Töchter sich sicher in geschlechtshomogenen Gruppen bewegen dürfen und Erfahrungen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebensumstände sammeln können.

Unzufriedene häusliche Situationen, die z.B. auf Schwierigkeiten in der Beziehung der Eltern zurückzuführen sind, können dazu führen, dass einige der Mädchen sich bereits früh mit schwierigen emotionalen Krisen auseinandersetzen mussten/müssen, sodass ein zu schnelles „erwachsen werden“ ein Ausweg darstellen kann, um den enormen Anforderungen an ihre Person gewachsen zu sein.

Weitere zu beobachtbare Belastungen ergeben sich aus der problematischen Wohnsituation der Familien, welche durch räumliche Enge geprägt ist. Oftmals steht den Mädchen kein eigener Bereich innerhalb der Wohnung zur Verfügung. Häufig ist es für die Familien aufgrund ihrer eigenen finanziellen Mittel nicht möglich, angemessen große Wohnungen für die meist kinderreichen Familien anzumieten. Weitere Belastungen ergeben sich durch andere kritische Lebensereignisse, wie etwa Arbeitslosigkeit, Suchtkrankheiten oder anderer psychischer Probleme der Eltern, Verlust eines Familienmitglieds, ungeklärter Aufenthaltsstatus usw. Ein überdurchschnittlich hoher Bedarf besteht deshalb bei den Mädchen darin, zu reden und gehört zu werden. Da die häusliche Situation es vielfach nicht zulässt, über schwierige oder freudige Ereignisse des Tages zu berichten, lautstark über ein Unrecht zu schimpfen oder ungehemmt über eine unglückliche Liebesgeschichte zu weinen, stellt der Mädchentreff einen vertrauten und wertneutralen Ort dar, an dem diese Themen verarbeitet werden können.

in weiterer wichtiger Punkt besteht in dem Erkennen und Verarbeiten der eigenen Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen. Häufig werden altersgemäße Freundschaften zwischen deutschen Mädchen und Mädchen mit anderen kulturellen Hintergründen weder forciert noch gepflegt, was auf immer noch vorherrschende Berührungsängste im Hinblick aus das „Fremde“ zurückgeführt werden kann. Zudem sind die Kontakte oft geprägt durch Vorurteile und nicht zuletzt durch bestehende Sprachbarrieren. Da die perle den Ansatz vertritt, dass Rassismus von der Mehrheitsgesellschaft ausgeht, bedarf es besonders einer Unterstützung der Mädchen mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte und einer Sensibilisierung für deren Situation. Erwähnt werden soll an dieser Stelle, dass jedoch alle Mädchen von unterschiedlichen Diskriminierungen etwa in Bezug auf ihr Geschlecht, ihrer Herkunft, ihres sozialen Hintergrundes oder Bildungstandes betroffen sind.

Zu all dem, was Mädchen an Belastungen und Sorgen mit in den Treff bringen, konnte in Bezug auf das Klientel des Treffs die Beobachtung gemacht werden, dass es den Kindern an einer grundlegenden Versorgung mangelt, welche die Einrichtung zuerst erfüllen muss, bevor mit der weiteren Arbeit überhaupt fortgefahren werden kann. Hier blickt der Treff auf eine langjährige Zusammenarbeit mit der Essener Tafel zurück, welche wöchentlich zur Freude der Kinder der Einrichtung Lebensmittel liefert. Aus diesen werden täglich Mahlzeiten gekocht.

Die pädagogische Arbeit im Treff stellt jedoch nur ein Angebot dar, welches die Mädchen selbstständig aufsuchen und nach ihren Möglichkeiten nutzen. Die Mädchen verfügen oftmals über eigene Ressourcen, um sich ihre zeitliche Nische im Mädchentreff zu suchen und einzurichten, trotz des Alltagsstresses. Die belastenden Ereignisse wie schulische Anforderungen, familiärer Druck o.ä. stellen für die Mädchen jedoch kein Hindernis dar und sie schaffen es eigenverantwortlich, sich um ihre individuellen Bedürfnisse zu kümmern. Ohne diese Ressourcen wäre eine Arbeit in der perle, die von dem Aufsuchen der Mädchen abhängig ist, nicht möglich.

Zielgruppen

Zielgruppen in der Arbeit

1. Zielgruppe: Mädchen und junge Frauen

Der Mädchentreff versteht sich als Freizeit- und Begegnungsstätte im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit und handelt rechtlich auf Basis der §§ 8a und 11ff SGB VIII. Angesprochen werden alle Mädchen und jungen Frauen in der Altersspanne von 6-21 Jahren. Schon früh zeigte sich jedoch, dass auch weit über die Grenze von 21 Jahren hinaus, Frauen sowie Männer, jeder Nationalität aus dem Stadtteil die Beratungsangebote sowie den täglichen Flohmarkt am frühen Nachmittag nutzen. Mit ihrem offenen Angebot für geschlechtshomogene Gruppen ab dem Grundschulalter bietet die Einrichtung eine Grundversorgung in Altendorf bereits für sehr junge Mädchen. Wöchentlich besuchen ca. 80-100 Mädchen und junge Frauen den Treff. Für jüngere Mädchen, die meist nur über eine geringe Mobilität verfügen, stellt die perle einen gut zu erreichenden Treffpunkt im nahen Wohnumfeld dar. Für ältere Mädchen, die aus anderen Stadtteilen kommen, ist die perle mit dem ÖPNV gut erreichbar.

Im Besucherinnenbild der perle spiegelt sich die Vielfalt der Bevölkerung Altendorfs wider. Zu beobachten ist, dass sich jede neue Zuwanderungsgruppe in Altendorf früher oder später in der perle wiederfindet. Nahezu täglich treffen zu den Öffnungszeiten Mädchen unterschiedlicher Kulturen aufeinander, was sich als nicht immer einfach, meistens jedoch als höchst bereichernd herausgestellt hat. Hier liegt auch die Chance und die Qualität einer interkulturellen Freizeit- und Bildungsarbeit, wie sie die perle verfolgt.

Zielsetzungen

Zielsetzungen in der Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen

Im Kontext einer seit Jahren angestrebten interkulturellen, antirassistischen, parteilich-feministischen Mädchenarbeit vor dem Hintergrund eines christlichen Verständnisses und Menschenbildes sowie auf Basis der Prinzipien feministischer Mädchenarbeit, welche lauten: Arbeit in geschlechtshomogenen Räumen, Parteilichkeit der Pädagoginnen, Neu- und Aufwertung weiblicher Kompetenzen sowie Eigenschaften, Partizipation der Mädchen und Ganzheitlichkeit1, sind folgende Ziele für die pädagogische Arbeit im Treff geschaffen worden.

1. Freizeitgestaltung

Ziel ist die Schaffung von Räumen und Freiräumen, die es Mädchen unterschiedlichen Alters, kultureller Hintergründe, sozialer Herkunft etc. ermöglichen, selbstbestimmt ihre Freizeit zu erleben und zu verbringen, Hier ist die Eröffnung verschiedener Spiel- und Lernmöglichkeiten (Gemeinschafts-, Erlebnis-, Risikospiele, Holzwerkstatt, Rollenspiele,…) zu Förderung und Stärkung individueller und kollektiver Identität zentrales Thema. Das Wahrnehmen und Aufgreifen der aktuellen Wünsche und Bedürfnisse der Mädchen sowie deren Umsetzung stehen dabei im Vordergrund. Die Mädchen sollen eigene Ressourcen erkennen und nutzen lernen, diese ausbauen und mit pädagogischer Hilfe fördern. Als besonders wichtig wird hier das Erlernen von Handlungskompetenzen erachtet, ebenso wie das Erweitern des eigenen Blickwinkels sowie die damit einhergehende Schaffung neuer Möglichkeiten. Somit sieht die perle sich als Angebot zur Beratung und Begleitung der Mädchen und jungen Frauen hin zur Selbstständigkeit und sozialen Kompetenz.

Ziel ist ebenfalls die Schaffung eines Raumes, in dem Begegnung möglich ist, Verständnis füreinander wachsen kann, wo sich Mädchen und Frauen mit ihren unterschiedlichen kulturellen Bezügen einbringen können, wahr- und angenommen fühlen, wo keine Bewertung ihrer Person seitens der Pädagoginnen stattfindet, wo der Abbau gegenseitiger Vorurteile möglich ist, wo der Aufbau einer eigenen kulturellen Identität gefördert wird. Durch den regelmäßigen persönlichen Austausch und die Begleitung der Mädchen kann Selbstbewusstsein jeder einzelnen gestärkt werden. In einer vertrauten Atmosphäre wird den Mädchen wie Frauen ermöglicht, über ihre persönlichen Belange zu reden und sich auszutauschen. Wichtig erscheint hierbei die Schaffung eines Ortes, wo Mädchen wie Frauen sich ernstgenommen und sicher fühlen, sich unterstützt sehen und nicht über ihre Probleme definiert oder abgewertet werden.

2. Bildungsarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Begleitung und Unterstützung der Mädchen bei ihrer Entwicklung einer eigenen Identität. Dabei sollen sie einen Standpunkt zu kulturellen, politischen, gesellschaftlichen und religiösen Themen erlangen und somit eigene Werte und Vorstellungen ausbilden lernen. Diese sollen sich nicht nur auf europäische Dimensionen beziehen, sondern Bildung soll hier ganzheitlich im globalen Sinn verstanden werden.

Bei einem engmaschigen Angebot an schulischen Hilfs- und Förderangeboten sollen Mädchen zudem begleitet und unterstützt werden. Nicht nur den eigenen Standpunkt zu entwickeln, selbstständig zu arbeiten und sich den Lernanforderungen der Schule zu stellen ist ein Ziel der Bildungsarbeit, sondern ebenso die Hilfestellung bei einer selbstbestimmten „weiblichen“ Zukunft. Der Mädchentreff begleitet hier bei der Entwicklung von Berufsfindungsideen, unterstützt bei Bewerbungsvorbereitungen für Praktika, Schule und Beruf sowie weiterer persönlicher Lebensplanung. Viele der Mädchen sind interessiert daran, unterschiedliche Formen der Lebensplanung sowie andere Konzepte von Weiblichkeit kennen zu lernen, da die vorhandenen oftmals durch die sehr einseitigen gesellschaftlichen Sichtweisen und reproduzierten Rollenklischees im alltäglichen Erleben der Mädchen wenig vielfältig geprägt sind. Hierzu tragen sicherlich auch die unterschiedlichen Lebensmodelle jeder einzelnen Mitarbeiterin des Treffs bei.

3. Umgang mit neuen Medien

Im Zeitalter der Digitalisierung, der sozialen Netzwerke und der immensen Bedeutung des Internets, für vor allem junge Menschen, wird die Förderung des Umgangs mit neuen Medien als ein zentrales Thema angesehen. Neben der Möglichkeit soziale Netzwerke und Plattformen wie YouTube altersgerecht und von Pädagoginnen begleitet nutzen zu können, stehen den Mädchen und jungen Frauen Computer mit Internetzugängen zur Freizeitgestaltung, zum Arbeiten, recherchieren und schreiben von alltäglichen Dingen wie beispielsweise Hausaufgaben oder Bewerbungen zur Verfügung.

Im Hinblick auf das Medium Internet wird in der Arbeit mit den Mädchen darauf geachtet, dass die dort präsentierten Rollenbilder, Stigmatisierungen, Sexismus in Form von Bild, Schrift oder Ton, Mobbing bzw. Ausgrenzung, Rassismus oder Diskriminierung nicht unreflektiert und unkontrolliert von den Mädchen aufgenommen werden. Gemeinsam im Team wurde ein Regelwerk für die Computer- und Internetnutzung zusammengestellt. Dies dient zum einen dafür, dass die Mädchen sehen, welche Seiten und Plattformen sie ab welchem Alter nutzen dürfen und zum anderen dient es für die Pädagoginnen als Orientierung, um Verwarnungen auszusprechen, Strafen bei wiederholtem Verstoß von Regeln aber auch Aufklärung und Reflektion bestimmter Themen sowie Inhalte durchzuführen.

Um der enormen Anfrage von Computer- und Internetnutzung gerecht zu werden, wurden Listen mit Zeiten von jeweils 20 Minuten eingeführt, in denen sich die Mädchen von den Mitarbeiterinnen für einen der drei vorhandenen Computer eintragen lassen können.

Den Besucherinnen soll ermöglicht werden, sich sicher und eigenständig im Internet zu bewegen, Inhalte für sich zu reflektieren, kritisch zu hinterfragen und sich nicht von beispielsweise „Fake News“1 leiten zu lassen. Mit Hilfe von kleinen Workshops, Themeneinheiten aber auch spontanen Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen, wird versucht den Mädchen Medienkompetenzen sowie Medienhandeln anzueignen.

4. Prävention

Ziel ist die Förderung sozialer Kompetenz und Konfliktfähigkeit. Ziel ist auch, die eigenen Kräfte und Fähigkeiten wahrnehmen zu lernen und zu stärken, um sich Bedrohungen, seien sie physischer, psychischer, sexueller oder politischer Art, nicht hilflos und ohnmächtig ausgeliefert zu fühlen. Dabei wird das gemeinsame Erleben spannender und abenteuerlicher Situationen in Form von Ausflügen, Projektwochen oder speziellen Angeboten als sinnvoll erlebt. Dies ist ein kleiner präventiver Beitrag, um Gewalterfahrungen Übergriffen oder Ausgrenzungserlebnissen sowie der Faszination von Drogen- und Konsummitteln entgegenzutreten.

5. Identitätsbildung

Ziel ist die Hilfe und die Unterstützung bei der Suche nach einer mädchenspezifischen, geschlechtsbejahenden Identität. Hierzu bedarf es eines Raumes, in dem Mädchen lernen können, sich wertzuschätzen, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und weiterzuentwickeln, ihrer Rolle in der Gesellschaft, dem herrschenden Sexismus und Rassismus allein und mit anderen auseinander zu setzten, voneinander zu profitieren, Solidarität statt Konkurrenz zu erleben, ihren Lebensweg selbstständig und freudig in die eigene Hand zu nehmen.

Seitens der Pädagoginnen sind dabei uneingeschränkte offene Parteilichkeit, eine ganzheitliche Sichtweise der verschiedenen Facetten von „Mädchenleben“ und die stetige Auseinandersetzung mit der eigenen weiblichen Rolle unbedingt gefordert. Mit eingeschlossen in diesem Prozess ist zudem die Unterstützung auf dem Weg hin zu einer eigenen kulturellen Identität.

Angebotsformen

Angebotsformen und Inhalt unserer Arbeit

1. Inhalte in der Mädchenarbeit

Die inhaltliche Arbeit im Mädchentreff bezieht sich zum einen auf die Ziele der Mädchenarbeit im Treff (siehe Kapitel 5) und zum anderen auf die persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiterinnen. Geplante Inhalte werden unter Zuhilfenahme von Fachliteratur sowie durch die Mithilfe von Fachkolleg*innen vorbereitet und je nach Lage in Kooperation mit fachkompetenten Honorarkräften umgesetzt.

Inhalte der Arbeit sind wie folgt:

  • Lebensplanung
  • Körper-Sexualität-Geschlechtskrankheiten
  • Freundschaft-Partnerschaft
  • Konfliktbewältigung
  • Prävention
  • Gewalt und Umgang mit Gewalterfahrungen
  • Drogen-Konsum-Sucht
  • Umwelt-Natur
  • Verantwortung-Wertschätzung
  • Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen
  • Internet-Medienkompetenzen
  • Berufsfindung
  • Geschlechterrollen
  • Selbstbewusstsein und Soziale Kompetenz

2. Angebote für Besucherinnen des Treffs

Die in den vorherigen Kapiteln beschriebene Situation der Besucherinnen in Altendorf begegnet die perle mit unterschiedlichen Angeboten.

Den altersspezifischen Bedürfnissen der Mädchen wird innerhalb der verschiedenen offenen Angebote entsprochen. Während das Bedürfnis der jüngeren Besucherinnen (6-9 Jahre) noch stark geprägt ist von dem Wunsch nach angeleiteten Bastel- und Werk-, Spiel- und Bewegungsangeboten, fordern Mädchen in der Adoleszenzphase (10-16 Jahre) mehr Freiraum für die Umsetzung eigener Ideen.

Da es ein ausgesprochenes Ziel des Mädchentreffs ist, die aktuellen Themen und die momentanen Bedürfnisse der Mädchen wahrzunehmen und aufzugreifen, gibt es neben den vorbereiteten Angeboten oft spontan initiierte. Somit werden die Angebote je nach Bedarf und in Bezug auf die jeweiligen Besucherinnen gewählt. Das Spektrum der Angebote reicht dabei von kreativen bis hin zu Beratungsangeboten und Krisenintervention. Die Öffnungszeiten (siehe Kapitel 8.2) verstehen sich daher als Grundangebotsform für die unterschiedlichen Altersgruppen. Den Pädagoginnen der Einrichtung ist es dabei ein Anliegen, eine Balance zwischen dem Aufgreifen und Umsetzen der Ideen der Mädchen und dem Anbieten von neuem zu halten.

Im offenen Bereich bietet die perle folgende Möglichkeiten und Aktionen an:

  • Räumlichkeiten, welche zur Verfügung stehen
  • Bastel-, Werk- und Kreativangebote
  • Gesellschafts-, Bewegungs- und freie Spiele (wie z.B. Rollenspiele)
  • Computer und Internet
  • Tanz (frei gestaltet oder angeleitet z.B. im Rahmen der Hip-Hop Tanzgruppe)
  • Bewegung und Abenteuer (erlebnispädagogische Angebote)
  • Projektbezogene Arbeit (z.B. zum Thema Rassismus, Körper, Sexualität, Ausbildung und Beruf, Ernährung, Selbsterfahrung, Medien…)
  • (Motto) Partys
  • Gespräche z.B. zur Konfliktbewältigung (wenn es die Situation im Treff erfordert)
  • Ausflüge (in den Oster-, Sommer- sowie Herbstferien gestaltet das perle Team immer ein spezielles Ferienprogramm für die Mädchen ab 6 Jahren)
  • Aktionen in näherer Umgebung
  • Diese Angebote sind in folgender Weise umsetzbar:

    • Im Rahmen der Offenen Tür in den Räumen des Mädchentreffs
    • Spiele und Aktionen auf dem Ehrenzeller Platz, am Niederfeldsee oder im Krupp Park
    • Gesprächstermine
    • Exkursionen und Ausflüge
    • Workshops (sowohl in den Räumen der perle als auch in anderen Einrichtungen)
    • Projekttage (s.o.)
    • Mädchenaktionstage (z.B. internationaler Mädchentag oder GirlsDanceDay) Hausaufgabenhilfe, Begleitung zum Arzt, Bildungsangebote, Bewerbungshilfe

    3. Angebote für Bürger*innen

    Zusätzlich zu den Angeboten und den Öffnungszeiten für genannte Zielgruppe der Mädchen und jungen Frauen, gibt es einen seit Jahren etablierten und sehr beliebten Flohmarkt in den Räumlichkeiten des Treffs. Dieser öffnet von montags bis donnerstags jeweils für eine Stunde (13 bis 14 Uhr) seine Türen für die Bevölkerung Altendorfs und ganz Essen.

    Hier können die Besucher*innen von Second-Hand Kleidung, Bettwäsche, Schuhen, Schmuck, Geschirr, Besteck, Küchengeräten bis hin zu Deko-Artikeln, Kosmetikprodukten, Spielzeug und Blumentöpfen alles zu einem kleinen Preis käuflich erwerben. Der Flohmarkt besteht ausschließlich aus gespendeten Sachmitteln von Menschen aus dem Stadtteil oder näherer Umgebung. Die Spenden sind deshalb von besonderer Bedeutung und notwendig für den Erhalt des Flohmarktes. Das eingenommene Geld fließt als Spende in die Kasse des Treffs und kommt den Kindern bei Ausflügen oder bei zusätzlichen Einkaufen für das Mittagessen zu gute. Außerdem veranstaltet der Treff einen Bücher- sowie einen Schmuck- und schöne-Dinge-Flohmarkt ca. drei bis viermal im Jahr, um die Ausflugskasse der Mädchen aufzustocken.

    Vor allem Frauen und Mütter aus dem Stadtteil nutzen die Flohmarktzeiten regelmäßig. Sie können sich bei einer Tasse Tee, Kaffee oder Wasser (kostenfrei) mit anderen Frauen oder den Mitarbeiterinnen austauschen und über Probleme, ihren Alltag oder ihre Familien sprechen. Hier zeigt sich ebenfalls, dass der Bedarf an solchen kleinen oder auch ernsteren Gesprächen mit Beratungstendenzen im Stadtteil hoch ist. Für die Frauen und Mütter stellt die perle ebenfalls eine „Einrichtung des Vertrauens“ dar, zu der sie gerne kommen und sich nicht scheuen, um Hilfe zu bitten oder diese anzunehmen.

Themen und Inhalte

Themen und Inhalte in der Mädchenarbeit

1. Mädchen und junge Frauen

Die inhaltliche Arbeit im Mädchentreff bezieht sich zum einen auf die Ziele der Mädchenarbeit im Treff (siehe Kapitel 6) und zum anderen auf die persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiterinnen. Geplante Inhalte werden unter Zuhilfenahme von Fachliteratur sowie durch die Mithilfe von FachkollegInnen vorbereitet und je nach Lage in Kooperation mit fachkompetenten Honorarkräften umgesetzt.

Inhalte der Arbeit sind wie folgt:

  • Lebensplanung
  • Körper - Sexualität – AIDS
  • Freundschaft – Partnerschaft
  • Konfliktbewältigung
  • Prävention
  • Gewalt und Umgang mit Gewalterfahrungen
  • Drogen - Konsum – Sucht
  • Umwelt – Natur
  • Verantwortung - Wertschätzung
  • Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen
  • Internet
  • Berufsfindung
  • Geschlechterrollen
  • Selbstbewusstsein und Soziale Kompetenz

2. FachkollegInnen

Im fachlichen Austausch mit den KollegInnen werden sowohl inhaltliche Schwerpunkte sowie Erlebnisse in der Arbeit  aus den verschiedenen Einrichtungen diskutiert und reflektiert. Dies wird als sehr bereichernd erlebt. Aber auch aktuelle Themen und neue wissenschaftliche Diskussionen und Ansätze kommen hier zur Sprache.

  • Unterschiedliche Ansätze in der (interkulturellen) Mädchenarbeit
  • Theorie und Praxis der Mädchenarbeit
  • Methoden in der Mädchenarbeit
  • Erfahrungswerte in der Arbeit
  • Wissenschaftliche Diskussionen und Ansätze
  • Gendermainstream
  • Kooperationsmöglichkeiten/ Vernetzung
  • Mädchenrelevante Themen
  • Trends in der Mädchenarbeit
  • Fundraising/ Sponsoring

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten

Im Laufe der Jahre hat sich gezeigt, dass Mädchen verschiedener Altersstufen und Entwicklungsphasen mit oft gänzlich einander ausschließenden Bedürfnissen in den Treff kommen. Um diesen Umstand Rechnung zu tragen, wurden die Öffnungszeiten mehrfach verändert. Das jetzige Modell, das den verschiedenen Altersgruppen an unterschiedlichen Tagen Einlass gewährt, erweist sich nun seit fast 10 Jahren als tragbar und sinnvoll.

Öffnungszeiten für Mädchen und Frauen - Stand 03/2018:

Montags
13.00 - 14.00 Uhr Flohmarkt
14.00 - 15.00 Uhr Hausaufgabenhilfe für Mädchen ab 6 Jahren
15.00 - 17.00 Uhr Mädchen (6-10 Jahre)

Dienstags
13.00 - 14.00 Uhr Flohmarkt
14.00 - 15.00 Hausaufgabenhilfe für Mädchen ab 6 Jahren
15.00 - 17.00 Uhr Mädchen ab der 5. Klasse, Nachhilfeförderung, Arbeiten am PC

Mittwochs
13.00 - 14.00 Uhr Flohmarkt
14.00 - 15.00 Hausaufgabenhilfe für Mädchen ab 6 Jahren
15.00 - 18.00 Uhr Mädchen (ab 11 Jahre)

Donnerstags
13.00 - 14.00 Uhr Flohmarkt
14.00 - 15.00 Uhr Hausaufgabenhilfe für Mädchen ab 6 Jahren
15.00 - 18.00 Uhr Mädchen (ab 9 Jahre)

Freitags
Projekte, Workshops o.Ä. nach Absprache. Termine dazu werden rechtzeitig im Treff bekannt gegebenen

Die Altersgruppe der 16-18-Jährigen lässt sich bisher nur schwer für ein regelmäßiges Angebot im Treff binden. Jedoch nehmen sie oft an Ausflügen oder Projekten teil.

Personelle Ausstattung

Personelle Ausstattung 

Die Einrichtung wurde bis vor kurzem von nur einer fest angestellten Diplom-Pädagogin geleitet, die durch ihre langjährige Arbeit im Treff über eine Vielzahl an Erfahrungen hinsichtlich der Situation im Stadtteil verfügt und besonders im Bereich der Mädchenarbeit qualifiziert ist. Zudem konnten durch ihre ständige Präsenz wertvolle Kontakte im Stadtteil erschlossen werden.

Im Frühjahr 2017 wurde erstmals in der Geschichte des Treffs eine Teilzeitstelle mit 19,5 Stunden Umfang geschaffen, welche zurzeit von einer staatlich anerkannten Sozialarbeiterin besetzt ist. Somit arbeitet, zur großen Entlastung der Leiterin, eine weitere fest angestellte Fachkraft in der Einrichtung. Hinzu kommt die ebenfalls neu geschaffene, Freiwilligensozialdienststelle (FSJ), die im Spätsommer 2017 schon zum dritten Mal durch den Träger besetzt wurde. Zurzeit arbeiten drei Übungsleiterinnen in der Einrichtung, welche jeweils für das Angebot (Hausaufgaben, Offene Tür, Projekte) an einem Nachmittag in der Woche zuständig sind. Relativ regelmäßig erhält die perle kleine Entlastungen im Arbeitsalltag durch wechselnde Praktikantinnen.

Die langjährige Erfahrung im Treff zeigt, dass personelle Kontinuität und Fachkompetenz die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit im Sinne der Mädchen und Frauen sind. Stabile Beziehungen und Verlässlichkeit, d.h. konstante Bezugspersonen und ein fester Rahmen sind erforderlich, um bei den Besucherinnen das notwendige Vertrauen wachsen zu lassen, dass es ihnen überhaupt erst ermöglicht, sich den Pädagoginnen gegenüber mit ihren Fragen und Problemen zu öffnen. Sich Einlassen aber erfordert Zeit. Erlerntes Misstrauen und das Gefühl, dass niemals jemand Zeit hat, lassen sich nur langsam überwinden. Der stete Wechsel von Bezugspersonen im Treff steht dem kontraproduktiv entgegen. Durch die heutige, vorher schon seit mehreren Jahren als Honorarkraft tätige Teilzeitkraft und den einigermaßen konstanten Übungsleiterinnen konnte diese Situation verbessert werden.

Fortbildung und Supervision

Fortbildung / Supervision

Auch wenn die Mädchenarbeit nicht mehr in dem Sinne Pionierarbeit ist wie noch vor 30 Jahren, sieht sich die Mädchenarbeit in Bezug auf die Debatte um Gendermainstreaming und der immer noch bestehenden Forderung nach „mehr Raum für Jungenarbeit“ (die wir sehr unterstützen und eher als notwendige Ergänzung als „Ablösung“ sehen) einem neuen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt.

Da Mädchenarbeit oft erst in der aktuellen Arbeit Form und Gestalt annimmt, ist es besonders wichtig, dass sich die pädagogischen Fachkräfte in Form von Supervision einen geeigneten Reflexionsraum schaffen. Dies ist der perle glücklicherweise seit einigen Jahren finanziell möglich, weshalb der Einrichtung alle drei bis vier Monate im Jahr Supervisionsgespräche im Team mit einer externen Supervisorin zur Verfügung stehen. Aufgrund der oben genannten Notwendigkeit dieser Sitzungen nimmt das Team diese auch regelmäßig in Anspruch. Zusätzlich finden ca. alle drei Wochen Teamgespräche statt, in denen die Möglichkeit besteht, den gemeinsamen Arbeitsalltag zu reflektieren oder Situationen sowie einzelne Fälle zu besprechen.

Fortbildungen in Methoden der Mädchenarbeit sowie zu allen aktuellen Themen müssen in kontinuierlicher Folge die Arbeit begleiten und bereichern. Hier sind die Mitarbeiterinnen bemüht, sich stetig über neue Fortbildungsangebote zu informieren. Zudem findet ein persönliches Auseinandersetzen über religiöse sowie kulturspezifische Themen statt, da diese im gesellschaftlichen Wandel auch regelmäßig die Mitarbeiterinnen im Arbeitsalltag konfrontieren.

Räumliche Ausstattung

Räumliche Ausstattung

Im Sommer 2016 wurde der hinten anliegende Gruppenraum und der Flohmarkt Bereich der perle mit Hilfe von freiwilligen Helfer*innen renoviert und umgebaut. Die Einrichtung sieht nach dieser „Verschönerungskur“ wie folgt aus (insgesamt 100 m2):

  • 1 großer Café-/Küchenbereich mit direkt angrenzendem offenen (Freizeit-) Bereich ausgestattet mit einer Theke und einer Küchenzeile, zwei Tischgruppen und Stühlen. Integriert in diesen Bereich ist zum einen ein neues Sideboard entlang des großen Schaufensters, das als Stauraum für diverse Küchenutensilien und Lebensmittel genutzt wird und zum anderen steht dort den Besucherinnen ein großes Regal mit Gesellschaftsspielen, Sachbüchern, Schulbüchern, Ordnern mit Lernblättern, Zeitschriften und Romanen zu Verfügung.
  • 1 Flur, der nach hinten führt, dient zum einen als Flohmarkt und Second-Hand Bereich mit weiteren Sideboards mit Stauraum und Ausstellungsfläche für allerhand gespendeter Flohmarktartikel sowie einem nach Maß angefertigten offenen, vierteiligem Schranksystem, in welchem Kleidung und Schuhe zum Verkauf auf gehangen und präsentiert werden. Zum anderen steht im Flur-/Flohmarktbereich die neue Chill-Out Höhle, in der die Mädchen sich allein oder mit Freundinnen zurückziehen und in Ruhe lesen, reden oder eine Auszeit nehmen können.
  • 1 großer Mehrzweck-Gruppenraum, ausgestattet mit einer Sofa Ecke mit Beistelltisch und drei Hockern, großen ein- und ausklappbaren Tischen mit Stühlen für Kurs- und Gruppenarbeiten sowie einer Computerecke mit drei Internetarbeitsplätzen.
  • 1 Toilettenraum
  • 1 kleiner Materialraum, der verbunden ist mit einem kleinen Büroraum.

Die Lage des Mädchentreffs an einer stark befahrenen Verkehrsstraße, im Mietshaus mit darüber liegenden Etagenwohnungen schränkt die pädagogischen Möglichkeiten besonders wegen der Lärmbelästigung immens ein. Es ist den Mädchen durch ein fehlendes Außengelände nicht möglich, im geschützten Rahmen auch im Freien zu spielen. Zudem erschwert die vorhandene Raumaufteilung ein Gespräch mit den Mädchen in eher privater Atmosphäre. Besonders bei großem Andrang von mehr als 20 Mädchen (in Stoßzeiten bis zu 30 und mehr) reichen die Räumlichkeiten kaum aus, um angemessen pädagogisch wirken zu können.

Mittelfristig angestrebt wird deshalb innerhalb des Stadtteils andere, größere, besser aufzuteilende Räumlichkeiten zu finden, damit Pädagogik nicht von Räumlichkeiten bestimmt wird.

Das Trägerwerk

Das Trägerwerk

Der Umstand, dass ein Bundesverband- nämlich die Christliche ArbeiterInnenjugend CAJ- Trägerin eines stadtteilorientierten Projekts war, machte es von Anfang an zur besonderen Notwendigkeit, sich seitens der Mitarbeiterinnen um eine möglichst vielseitige Kooperation und Anbindung auf der Stadtteilebene zu bemühen.

Erster Kooperationspartner wurde damals der Diözesanverband der CAJ in Essen, weitere folgten, wie z.B. die Bezirkliche Jugendarbeit im Bezirk III, das Katholische Jugendamt in Essen und andere Träger von Kinder- und Jugendarbeit in Bezirk III. Seit 2001 befand sich der Mädchentreff in Trägerschaft des Katholische Jugend Trägerwerk Essen e.V. Nach einer internen Namensänderung im Jahr 2017, lautet der Träger aktuell BDKJ Stadtverband Essen - Trägerwerk e.V.

Vernetzung und Kooperation

Vernetzung und Kooperation

Inzwischen ist die perle im Stadtteil gut angenommen und erfreut sich eines hohen Bekanntheitsgrades innerhalb Altendorfs sowie darüber hinaus. Das zeigen nicht zuletzt die häufigen Anfragen zu Themen der Mädchenarbeit und die Nachfrage nach Praktikumsplätzen für Schülerinnen, Studentinnen und Absolventinnen von Weiterbildungskursen. Vernetzung und Kooperation haben somit im Laufe der Jahre eine immer dichtere Form angenommen. Im Folgenden sollen diese beispielhaft erwähnt werden.

KooperationspartnerInnen aus heutiger Sicht sind auf Stadtteil-, Bezirks-, Stadt- und Landesebene:

  • Bund Deutscher Katholischer Jugend BDKJ – Stadtstelle Essen
  • Arbeitsstelle für Jugendpastoral im Bistum Essen
  • Bezirkliche Jugendarbeit Team III (Bezirksgespräch)
  • Stadtteilkonferenz Altendorf
  • Geschlechterspezifische Arbeit des Jugendamtes der Stadt Essen
  • Treffpunkt Altendorf
  • Lore-Agnes-Haus
  • Jugendmigrationsdienst
  • Jugendgerichtshilfe
  • Schulen im Bezirk
  • Evangelische Jugend Essen (EJE)
  • Sozialdienst Katholischer Frauen SKF
  • Gleichstellungsstelle der Stadt Essen/ Essener Frauenbündnis
  • LAG Mädchenarbeit in NRW e.V.
  • AK Katholische offene Türen
  • LAG Kath. OKJA NRW

Zudem wird im Rahmen der Tätigkeit des MädchenNetzwerkEssen die beständige Kooperation mit Einrichtungen aus verschiedenen Bezirken innerhalb Essens gepflegt.

Angebote für Fachkolleginnen – hier: Fachberatung; MädchenNetzwerkEssen

Im Rahmen des erweiterten Aufgabengebiets der perle, das im Zuge der Aufstockung des Haushaltsetats im Frühsommer 1997 der Einrichtung angetragen wurde, weitete der Mädchentreff sein Angebotsspektrum auf die Zielgruppe der Fachkolleginnen und berufsspezifischen Institutionen aus. Dadurch sind neue Aufgabengebiete entstanden.

  • Verwaltung eines Pools an Material, Adressen, Fachkräften und Medien im Zuge einer Vernetzung
  • Bei Bedarf: Veranstaltungen zu mädchen(arbeits)relevanten Themen im Sinne eines Weiterbildungsangebotes, Informationsveranstaltungen/ Gesprächsrunden
  • Initiierung von Mädchenaktionstagen
  • Leitung des Facharbeitskreises MädchenNetzwerkEssen

Der Mädchentreff perle versteht sich somit, in enger Kooperation mit der Fachkollegin für Geschlechterspezifische Arbeit des Jugendamtes der Stadt Essen, nicht mehr nur als Anlaufstelle für Mädchen aus dem nahen Wohnbereich, sondern auch als Anlaufstelle für mädchenrelevante Anfragen von allen Mädchen, jungen Frauen aus dem Stadtgebiet, Eltern und Fachkolleg*innen.

Hinzugekommen ist seit Juni 1998 der mehrmals im Jahr tagende Arbeitskreis MädchenNetzwerkEssen, dessen Leitung der hauptamtlichen Pädagogin obliegt. Der regelmäßige fachliche Austausch, die Bündelung von Fachkompetenz sowie die Unterstützung bei spezifischen Fragen zur Mädchenarbeit sind hier Zielsetzung des trägerübergreifenden Gremiums.

Im Rahmen des fachlichen Austauschs mit Kolleginnen werden sowohl inhaltliche Schwerpunkte sowie Erlebnisse in der Arbeit aus den verschiedenen Einrichtungen diskutiert und reflektiert. Dies wird als sehr bereichernd erlebt. Aber auch aktuelle Themen und neue wissenschaftliche Diskussionen und Ansätze kommen hier zur Sprache.

  • Unterschiedliche Ansätze in der (interkulturellen) Mädchenarbeit
  • Theorie und Praxis der Mädchenarbeit
  • Methoden in der Mädchenarbeit
  • Erfahrungswerte in der Arbeit
  • Wissenschaftliche Diskussionen und Ansätze
  • Gendermainstream
  • Kooperationsmöglichkeiten/Vernetzung
  • Mädchenrelevante Themen
  • Trends in der Mädchenarbeit
  • Fundraising/Sponsoring

Finanzierung

Finanzierung

Die perle, eine Freizeiteinrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in freier Trägerschaft des BDKJ Stadtverband Essen - Trägerwerk e.V., finanziert sich aus Mitteln des kommunalen Jugendhilfeförderplans, des Landesjugendplans (Aufstockungsförderungsanteil) sowie durch Spendenmittel Dritter.

Spendeneinnahmen erfolgen im Rahmen des Flohmarktangebots in den Räumen der Einrichtung und durch regelmäßige Förderzuwendungen eines kleinen Kreises von Einzelpersonen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die perle zu fördern und zu erhalten. Von großer Bedeutung für das weitere Bestehen der perle ist zudem seit 2005 das persönliche Engagement und die geldliche Zuwendung eines einzelnen Spenders, der seit mehreren Jahren bereits die Existenz des Mädchentreffs sichert.

Darüber hinaus engagieren sich u.a. auch Clubs und Stiftungen für die Arbeit und den Erhalt des Mädchentreffs. Besonders zu nennen ist die über Jahre währende finanzielle wie solidarische Unterstützung der Soroptimistinnen, hier Club Victoria Essen. Zu den weiteren Förderern gehören u.a. der Club Zonta II Essen, die Clara von Waldthausen-Stiftung und, seit 2015 Care for children.